Meine Perspektive

Design

Projektart
Publikation
Datum
19.02.2019

Interfacedesign ist mit der Kombination von Digitalisierung und Kommunikation der Schwerpunkt meines Studiums an der FH Potsdam. Insbesondere die Schnittstellen, das sogenannte Interface, zwischen Menschen und Maschinen stehen dabei im Fokus. Ich sehe darin barrierefreie Tools die für uns alle von Vorteil sein können. Egal, ob mit oder ohne Behinderung, jeder Mensch sollte am täglichen Leben teilnehmen dürfen. Wäre dies in allen Bereichen umgesetzt, wäre dies gelungene Inklusion. Alles wäre für alle gleichermaßen auffindbar, zugänglich und nutzbar. Zurück blickend sehe ich Vieles trotzdem positiv. In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Informations- und Kommunikationstechnologie viel Positives durch die Digitalisierung ergeben und zu fundamentalen Veränderungen beigetragen. Menschen mit Behinderungen haben mehr und mehr Zugang. Diese Entwicklung erleichtert vieles. In unserer modernen Kommunikationsgesellschaft können Hörenden und Nicht-Hörenden Dank der Digitalisierung vielfältig miteinander kommunizieren: E-Mails, WhatsApp, Relay-Dienst durch Telefonvermittlungsdienst u.v.m. . Auch im Internet finden sich zahlreiche Beispiele: Texte in leichter Sprache sowie zusätzlich Videos in Gebärdensprache. Die kostenlosen Apps “Greta & Starks” bieten ein barrierefreies Kinoerlebnis mit Audiodeskription (Greta) und Untertitel (Starks) für Seh-und Hörbehinderte via Smartphone.

Viele Innovationen wie Avatare oder AR/VR mit und ohne Accessibility, befinden sich heute schon in praktischer Anwendung oder viele auch noch in der Entwicklung. Es gibt viele Berührungspunkte zwischen den Innovationen und der Gebärdensprachgemeinschaft, um Maschinen mit Gesten gut zu steuern. Zudem gibt es unterschiedliche Systeme, die in unterschiedlichster Art Rückmeldungen geben können:

1. Zeichensystem
Hyundai hat kürzlich eine neue Entwicklung vorgestellt. Ein Assistent der Zeichensprache/Visualisierung als Kommunikation für Hörgeschädigte einsetzt. Fahrer und Fahrzeug kommunizieren in verschiedenen Situationen miteinander durch taktile und visuelle Signale z.B. für Geräusche innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs oder Informationen für die Navigation.

2. Vibrationen
Tragbare Vibrationen z.B. mit der iWatch unterstützt taube Menschen bei folgenden Anwendungen: - Wecker - Textbenachrichtigungen und Telefonanrufe - Navigation - Musik

3. Spracherkennung
Es gibt auch eine automatische Spracherkennung also Direktübersetzung von Lautsprache in Schriftsprache z.B. auf Youtube oder durch Siri. Youtube hat eine automatische Spracherkennung für Untertitel.

4. Gestenerkennung
Besonders hervorheben möchte ich hier die visuelle Gestenerkennung zur Interaktion zwischen Menschen und Maschinen. Beispielsweise kann man mit einer Geste ein Selfie auf dem Smartphone (Android) auszulösen.

Angebote für Barrierefreiheit müssen sichtbar sein. Barrierefreiheit für öffentliche Stellen werden z.B. durch die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0), und Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) gestärkt. Ist der gesamte Internetauftritt z.B. vollständig in leichter Sprache oder Gebärdensprache angeboten, wird der Zugang für alle Nutzer zu allen Angeboten ermöglicht. Viele Menschen können dadurch gleichberechtigt an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen und ihre Fähigkeiten mit in den gesellschaftlichen Prozess einbringen. Richtet man den Fokus bei der Erstellung von barrierefreien Internetauftritten gleich auf ein breites Spektrum des Gesellschaft, erreicht man gleich einen Großteil der Bürger und Bürgerinnen mit und ohne Behinderung. Ich möchte dazu gerne ein Beispiel zeigen, dass ich in einem öffentlichen Gebäude gesehen habe: Es hieß, der Aufzug sei barrierefrei. Bei genauer Betrachtung ist er noch nicht ganz barrierefrei. Ergänzt durch eine visuelle Schnittstelle z.B. in Form eines interaktiven Bildschirms, gelingt es auch tauben bzw. hörgeschädigten Menschen sich bemerkbar zu machen, wenn der Aufzug stecken bleibt.

Was verbindet UX Design (UX User-Centered Design) und Barrierefreiheit, warum sind sie so wichtig und warum gehen sie jeden an? (NEUE ÜBERSCHRIFT FINDEN!!!!!)


Ein gesunder und kräftiger Baum braucht ein starkes Geflecht aus großen und kleinen Wurzeln, um sich im Boden zu verankern, aber auch um reichlich Früchte zu tragen. Wenn ich dieses Bild auf die Barrierefreiheit in unserer Stadt übertrage, kann sie auf Dauer nur dann stabil und erfolgreich sein, wenn jeder Einzelne, ob mit oder ohne Einschränkung sein Bestes geben kann.

Ich als taube Person, sehe mich mit meinem Beruf als Designerin als eine dieser starken “Wurzeln”. Mit dieser Aussage stütze ich mich auf die Aussage von Ph. D. Joseph J. Murray: „Why does the world need deaf people?“ > „Deaf Gain shifts our understanding of being deaf from a medical perspective rooted in ‘hearing loss’ to a broader framework of biodiversity which sees deaf people and deafness as a form of sensory and cognitive diversity that offers vital contributions to the collective good of society.“

Diese Aussage macht „Deaf People“ zu einem wichtigen Baustein zur Bereicherung der Gesellschaft. Murray geht aber noch weiter, in dem er “Deaf Gain” weiter führt, um es zu „Human Gain“ zu formen. Das bedeutet, dass zum Voranbringen der Gesellschaft Betroffe selbst als Experten z.B. Entwickler, Designer usw., mit in die Prozesse eingebunden werden. . Barrierefreiheit darf nicht nur abstrakte Theorie bleiben, sondern von den Usern selbst getestet und mitentwickelt werden. Um diesen Prozess zielführend zu gestalten, brauchen die betroffenen Experten Barrierefreiheit, um ihr ganzes Potential zu entfalten. Im Moment jedoch werden sie noch oft von Außen durch unterschiedlichste Barrieren behindert. Ich habe es mir als Designerin zur Aufgabe gemacht, dieses “behindert-werden” abzubauen.

Wie verhält es sich denn nun, wenn taube Menschen barrierefrei in Kontakt mit Behörden oder der Stadtverwaltung treten wollen? Wie gehen Sachbearbeiter in der Verwaltung mit tauben Bürger*innen um? Ist eine barrierefreie Kommunikation möglich? Die Vielfältigkeit einer Gesellschaft wird durch uns als Individuen geformt. Mit unseren unterschiedlichen Facetten, Expertisen und Fähigkeiten gestalten wir unsere Gesellschaft. Vielfältigkeit ein elementarer Bestandteil der Inklusion und Barrierefreiheit.

Ein Beispiel aus dem alltäglichen Leben soll dies veranschaulichen: Der Zugang zu Behörden und Verwaltungen. Vor allem mit Blick auf die Barrieren in der Kommunikation mit Behörden, lässt sich erkennen, dass nicht nur Menschen mit Einschränkungen davon profitieren, gäbe es Angebote, die das komplizierte “Behördendeutsch” verständlicher machen. Amtssprache, umgangssprachlich auch gern als “Behördendeutsch“ bezeichnet, ist auch für viele Deutsche unverständlich, nicht nur für die Gebärdensprachgemeinschaft oder Menschen mit anderen Muttersprachen. Nach Aussage des Deutschlandfunk Kultur, Beitrags vom 02.01.2018 zeigt es sich, dass über 13 Millionen Deutsche keine Behördenschreiben verstehen können. Hinzu kommen Menschen mit Demenz oder kognitiver Einschränkung, und auch Geflüchtete, sowie die Gebärdensprachgemeinschaft.

Ein solches Angebot kann das “SQAT Tool (Sign Question and Answer Tool)” sein. Es ist bereits erfolgreich in der Praxis im Einsatz und ohne viel Aufwand in die IT und den Arbeitsalltag einer Behörde zu integrieren. SQAT wird mit Hilfe eines Übersetzungsbüro realisiert, welches einen Übersetzungsservice zwischen Schriftsprache und Gebärdensprache für hörbehinderte Nutzer und Nutzerinnen anbietet. Der Service macht es tauben NutzerInnen möglich ohne sprachliche Hindernisse mit Institutionen zu kommunizieren. Bisher wird das SQAT-Tool z.B. von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen und dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung angeboten. Die tauben Bürger können in ihrer Muttersprache, der Deutschen Gebärdensprache (DGS), mit den Betreibern der Website ohne Barrieren kommunizieren. Der Nutzer nimmt in DGS ein Video per Webcam auf, welches dann vom Übersetzungsbüro in Schriftdeutsch übersetzt und übermittelt wird. Die schriftliche Antwort der Institution wird anschließend wieder von den Übersetzern in ein Video in DGS übertragen. Somit erhält der Nutzer seine Antwort wieder in seiner Muttersprache.

Das Ziel für die hiesigen Institutionen ist eine Zusammenarbeit mit einem Übersetzungsbüros und die Bereitstellung eines mobilen KIT (Koffer o.ä.), welches ein internetfähiges Tablet und weitere Tools enthält. So bestünde die Möglichkeit, dass für alle Gespräche in Berliner Ämtern ein Dolmetscher zur Verfügung steht. Um dies zu ermöglichen, müssen Schnittstellen für das KIT bereitgestellt werden. Die Sachbearbeiter, die ein KIT vor Ort benötigen, werden bei einer Online-Terminvereinbarung automatisch über die Notwendigkeit informiert und können dieses dann an der Ausleihstelle ihres Bürgeramts abholen. Eine Verdolmetschung aus der Ferne wäre somit jederzeit für alle Gespräche in Berliner Ämtern verfügbar. Nach Beendigung des Gesprächs mit der tauben Person, wird das KIT wieder an die Ausleihstelle zurückgegeben und steht so zukünftigen Gesprächen wieder zur Verfügung.

Abschließend möchte ich festhalten, dass wir bereits auf einem guten Weg sind, Barrierefreiheit für alle herzustellen. Berlin wünscht sich bis 2020 konkrete Ziele für eine barrierefreie Stadt. Wichtig für mich ist es dabei den Fokus auf die Accesibility zu legen und so breit wie möglich zu wählen, um die Interaktionen zwischen Mensch und Maschine so einfach wie möglich zu machen. Die dadurch vorangetriebene Vernetzung der Gesellschaft mit all ihren Akteuren und deren Fähigkeiten bietet die große Chance für eine barrierefreie Zukunft.